09. Juni 2024 - 2. Sonntag nach Trinitatis

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28)

Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht irgendwo zu lesen bekommt, was man für das eigenen Wohlbefinden tun kann, wie man leistungsfähiger, belastbarer, glücklicher wird. Man wird angeleitet und aufgefordert, wie man beruflich erfolgreich sein und gleichzeitig dafür sorgen kann, dass der Spaß am Leben nicht zu kurz kommt. Doch all diese durchaus angestrengten Bemühungen bewirken meist nicht das, was sie versprechen.

Nicht wenigen wird dies alles zu viel. Trotz aller wunderbaren Ratschläge und Empfehlungen brennen sie aus oder fallen in eine Depression. Da tut es gut, wenn jemand einen anderen Ton anschlägt. Nicht die strahlenden Menschen werden hier angesprochen, sondern genau die, denen es zu viel geworden ist.

Der Kabarettist Thorsten Sträter ist ein Meister darin, von den Misslichkeiten des Lebens so zu erzählen, dass es einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Eine seiner Empfehlungen lautet: „Sieh es ein, manches Mal ist das Leben einfach Sch …“

Das klingt drastisch, ist aber in jedem Fall entlastender, als zu meinen, sich mit irgendwelcher Seelengymnastik ein Wohlgefühl erzeugen zu können. Wenn Jesus die Mühseligen und Beladenen einlädt, ist das keine Wellnessstrategie oder Anleitung zur Work-Life-Balance. Vielmehr erzählt es davon, dass ich für mich einen Platz gibt, an den ich hingehen kann, wenn mir die Puste ausgeht ich nicht mehr weiter weiß. . Da darf ich mich platt fühlen und wenn es mir danach zu Mute ist, darf ich mich auch ausheulen.

Der Heilandsruf, mit dem wir es hier zu tun haben, bietet also ein echtes Kontrastprogramm zu gängigen Vorstellungen.

Ein gesegnetes Wochenende und eine gute Woche wünscht Ihnen

Pfarrer Achim Gerber