1. Sonntag nach Epiphanias - 11. Januar 2026

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Szene 1
Da sehe ich sie wieder, entweder bei den Einkaufswagen beim Diskounter oder auf der Bahnhofsparkbank: die drei Männer, die mit der Nase, den Augen und den Ohren von Weitem zu erkennen sind. Immer eine Flasche Bier in der Hand und eine Zigarette zwischen den Lippen. Und ihre lautstarke Unterredung klingt verwaschen. Mache ich einen Bogen um sie? Rümpfe ich die Nase? Oder sind es merkwürdige drei Heilige Könige?

Szene 2
Da stehen sie wieder vor der Tür. Die Sternsinger sind wieder unterwegs in unseren Dörfern und Städten. Ziehen von Haus zu Haus und stehen vor den Wohnungstüren. Kinder und Jugendliche ziehen durch die Straßen, um Gottes Segen in jedes Haus zu bringen. Berührend, sie zu erleben und ihre Worte und ihren Gesang zu hören. „Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus.“ Und dann im Lauf des Jahres, wenn ich diese Aufschrift an den Türen sehe und über die Türschwelle gehe, denke ich gern daran zurück und freue mich darüber und nehme den Segenswunsch für mich immer wieder neu wahr und auf.
Vom Geist getrieben zu sein. Motiviert zu sein, aber jetzt von keinem bösen Geist oder vom Geist der Zeit, sondern vielmehr von dem Heiligen Geist, von Gottes gutem Geist.
Geistbesitz ist attraktiv. Geistlosigkeit ist ein Schimpfwort.

Die leuchtend strahlend fröhlichen Kinderaugen, die begeistert bei der Sache sind, wenn sie als Sternsinger unterwegs sind, um Gottes guten Geist in jede Wohnung und damit zu den Menschen zu bringen. Begeisterte geben den Segen weiter, wollen ihn nicht nur für sich haben, sondern ihn weitertragen und weitergeben.
Wahrlich, das sind Gottes Kinder, so denke ich mir und freue mich über die Sternsinger und den Segen und grüble darüber, ob die drei Obdachlosen auch Geistträger sein können oder sogar sind. Welche Botschaft strahlen sie aus, und wie berühren sie mich? Und wie begegne ich den drei Mitmenschen auf der Bank vor dem Bahnhof?
Und dann weiter, bei mir landen: Welchen Geist strahle ich aus, wenn ich die Türschwelle bei Besuchen überschreite, und wie trete ich Menschen gegenüber? Nehme ich das Gegenüber als Gottes Geschöpf wahr und bin neugierig, welcher Geist mir dort entgegenweht? In welcher Form Gottes Geist in und bei dem Menschen zuhause ist. Neugierig und offen für Gottes Handeln und auf das Gegenüber zu sein.