11. Sonntag nach Trinitatis - 16. August 2026

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1Petrus 5,5b)

Hochmut hat sich im Lauf der Jahrhunderte in Nuancen verändert. Es meint immer ein sich-selbst-größer-Machen und wird zumeist als Beziehungswort verwendet. In der Beziehung zu Gott steht Hochmut im Alten Testament. So ist die Wendung im 1. Petrusbrief wie ein Anklang an das Buch der Sprüche (Sprüche 3,34). Macht sich der Mensch größer als Gott, dann fällt er tief, ist der alttestamentliche Gedanke. Hochmut kommt vor dem Fall, kann man mit Sprüche 16,11 auch sagen.

Das heißt nicht, dass wir nicht mehr stolz auf uns sein dürfen. Aber es gibt einen ungemessenen und einen unangemessenen Stolz. Da sind ganz viele sehr feinfühlig geworden.

Vielleicht hängt das mit der Boomer-Generation zusammen. Wir Boomer konnten noch so gut in etwas sein, gefühlt waren wir immer durchschnittlich. Irgendjemand war immer besser. Es gab viele von uns und so auch viele Interessenten auf wenige Stellen. Stolz auf sich zu sein in einer Generation, die sehr von Leistung abhängig war, ist ein schweres Unterfangen und wirkt sich auf die nachfolgende Generation aus.

Ich möchte einen angemessenen Umgang mit Stolz leben. Wobei ich hier deutlich zwischen Stolz und Hochmut unterscheide. Denn ich möchte mich freuen über das, was ich geschafft und geleistet habe. Wissend, dass ich mir manches davon gewiss auch eigenständig angeeignet habe, aber christlich gesprochen, glaube ich, dass in mich hinein eine Gabe gelegt wurde, die es mir erst möglich macht, etwas zu können. So bin ich nicht nur auf mich stolz, sondern auch dankbar, dass mein Gott mir diese Lebensmöglichkeiten schenkt. Würde ich den Teil des Dankes weglassen, wäre die Nuance von Stolz zu Hochmut kaum mehr spürbar.

Im 1. Petrusbrief geht es um die Gemeindeleitung. Gott stellt sich einer stolzen und hochmütigen Gemeindeleitung entgegen und macht deutlich: Wer sich unterstellt, sich zur Verfügung stellt in der Leitung, mit dem, was er mitbringt, mit den Gaben, die ihm geschenkt sind, der erfährt Gnade. In V. 6 stellt der Schreiber sogar heraus, dass die sich kleinmachende Person durch Gottes Gnade groß gemacht wird. Demut wird verwandelt in Herrlichkeit.