16. Juni 2024 - 3. Sonntag nach Trinitatis

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, verloren ist. (Lukas 19,10)

Jeden Sonntag treffen sich an vielen Orten auf der Welt Menschen zu einer besonderen Form von Gemeinschaft. Diese Menschen haben sonst wenig oder nichts miteinander zu tun. Nur manche kennen sich persönlich aus dem Alltag. Sie vollziehen miteinander eine Symbolhandlung. Sie feiern Eucharistie bzw. Abendmahl.

In dem Augenblick, in dem sie die Hostie oder im anderen Fall Brot und Wein empfangen gehören sie dazu. Sie gehören zu einer Gemeinschaft mit anderen, aber in dieser Feier symbolisiert sich auch ihre Zugehörigkeit zu Christus selbst. „Er lädt uns an seinen Tisch.“ So heißt es in mancher Gottesdienstordnung. Es ist eine Feier des Dazugehörens. Auch wenn dies nicht immer bewusst ist, es ist ein dauerhaftest Statement gegen jede Form von Ausgrenzung und Zurückweisung.

Zur Zeit Jesu gab es offensichtlich eine Debatte, wer einmal dazugehören wird und wer nicht. Die „Verlorenen“ waren die, von denen klar war, dass sie nicht dabei sein würden. Und weil man sich darin recht sicher war, mied man diese Menschengruppen, wo man nur konnte. Dagegen begehrt Jesus in seiner Verkündigung mit seinem Verhalten auf. An den Tisch kommen die, mit denen keiner gerechnet hat, und die es selbst nicht glauben können (vgl. Lukas 14, 16-24). Draußen aber bleiben solche, die sich sicher waren dabei zu sein. Soweit so schön. Das ist wohl für bibeltreue Menschen nichts Neues.

Aber was bedeutet dies in der Konsequenz für das Selbstverständnis der christlichen Gemeinde? Das sonntägliche Miteinander erscheint mit einem Mal in einem völlig anderen Licht. Die Gemeinschaft der Gäste am Tisch des Herrn, meint die Ausgegrenzten und Abgeschriebenen. Wer zum Abendmahl kommt, reiht sich ein in diese Art der Gemeinschaft und wird selbst ein Teil von ihr. Anders würde die Sache mit Jesus wohl keinen Sinn machen.

Ein gesegnetes Wochenende und eine gute Woche wünscht Ihnen

Pfarrer Achim Gerber