Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)
„Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es anders gemacht …“ oder: „Mir hat das ja keiner gesagt, sonst hätte ich mich anders verhalten …“ So oder so ähnlich hören sich Entschuldigungen an von Menschen, die aus Unwissenheit heraus etwas gemacht haben, das sie so nicht mehr machen würden.
Ihr Nichtwissen nehmen sie als Entschuldigung für ihr Verhalten. Für ihr Tun und ihr Lassen.
Es kann im Blick auf Gottes Willen nach dem Wochenspruch keiner sagen, er oder sie hätte es nicht gewusst. Gott sagt klar, was er will: Gottes Wort halten. Liebe üben. Demütig sein vor deinem Gott. Klarer geht’s nicht. Aber die Klarheit macht das Leben bzw. das Tun und Lassen nicht einfacher. Denn – wenn sich vielleicht als Minimalkonsens Einigung darüber erzielen ließe, dass Gottes Wort halten beispielsweise meint, die 10 Gebote als Gottes Willen zu einem guten gemeinsamen Zusammenleben zu sehen –, es fällt doch schwer oder ist vermutlich sogar unmöglich, sie zu 100% zu halten. Irgendein Gebot nicht zu halten, das gelingt immer. Nicht immer Liebe zu üben, fällt leicht. Und Demut hat nur im Sport Renaissance, könnte man meinen.
Dabei bringt der Wochenspruch den alten Gedanken von Zuspruch und Anspruch zum Ausdruck. Gott spricht uns an, ruft uns ins Leben. Schenkt uns Lebensraum und Lebenszeit. Das ist sein Zuspruch an uns: „Du bist mein geliebtes Geschöpf.“
Gleichzeitig aber hat er auch einen Anspruch an uns, den der Wochenspruch auf den Punkt bringt. Einen Anspruch, dem wir nicht gerecht werden können. An dem wir scheitern und erneut auf Gottes Zuspruch angewiesen sind. Gleichzeitig Sünder sind wir und Gerechtfertigte – so bringt das Martin Luther auf den Weg. Gleichzeitig – in einem Menschen. In der Spannung in uns leben wir. Der Wochenspruch erinnert uns, Gottes Anspruch an uns im Blick zu behalten. Ein Dreiklang, der uns die ganze Woche über begleiten kann. Gottes Wort halten. Liebe üben. Demütig sein vor Gott. Damit die Welt eine bessere wird.