6. Sonntag nach Trinitatis - 12. Juli 2026

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich  erlöst; ich habe dich bei deinem Namen  gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)

Am Anfang, da kann dieser Spruch stehen. Er gleicht einer Verheißung. Mein Name ist nicht Schall und Rauch, ich bin gemeint, ich bin von Gott gerufen. Er kennt meinen Namen. „Du bist mein!“ So spricht er zu mir, ich habe Gott zum Vater. Er wird auf mich achten, er wird für mich da sein.

Am Anfang, da suchen die Eltern nach einem Taufspruch. Sie wissen, dass das Leben ihres Kindes ein Geschenk ist. Sie sind glücklich und möchten dieses Glück über den Augenblick retten. Sie wissen, wie zerbrechlich das Leben ist. Sie haben die Geburt erlebt, haben sich gefreut und doch auch Sorgen gemacht. Sie haben so viel gehört, was alles geschehen kann, was alles passiert, womit man rechnen kann. Und nun halten sie das Kind in Händen, dieses kleine zerbrechliche Wesen. Sie werden es begleiten; dabei sein, wenn es die ersten Schritte macht, werden mit ihm die ersten Wege gehen. Aber irgendwann werden sie auch die Hand loslassen, werden ihr Kind fortgehen sehen. Noch scheint es ein ferner Gedanke zu sein, aber sie wissen, dass sie ihr Kind nicht immer umsorgen, schützen und behüten können. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!“ Das ist eine Zusage, Gott kennt unser Kind, wir vertrauen ihm seine Zukunft an. Darum lassen sie das Kind taufen, darum wählen sie diesen Taufspruch, weil sie es lieben und behütet wissen wollen.

Die Jahre vergehen, das Kind spricht die ersten Worte, macht die ersten Schritte und die nächsten, es geht zum Kindergarten und zur Schule, es trifft sich mit Freunden und unternimmt die ersten Fahrten. Es wächst heran, und die Eltern werden unmissverständlich daran erinnert, dass das Kind selbstständig sein will, dass es eigene Wege gehen will, dass die Zeit der Bevormundung und Abhängigkeit vorbei sein soll. Sie reiben sich aneinander, die Eltern und das Kind, die Erwachsenen und die Jugendlichen. Wohin wird das Leben die Jungen führen, welche Weg werden sie gehen, woran können sie sich halten? Sie beobachten genau, sie kritisieren erbarmungslos, sie suchen unentwegt. An wen können sie sich halten, wer kann ihnen Orientierung geben, wer weiß wirklich, was für sie gut ist? Wer weiß wirklich, wer sie sind? Vielleicht ist es der eine, der sie ins Leben gerufen hat, der sie geschaffen hat und der versprochen hat, mit ihnen zu sein. Er kennt ihren Namen, er spricht sie an, jeden ganz persönlich. Sie sind mündig, zumindest religionsmündig. Die Konfirmation dokumentiert auch das, aber noch mehr erinnert sie daran, dass sie zu Gott gehören, dass er sie ruft und sie zu ihm gehören. Sie empfangen den Segen und ihren Konfirmationsspruch, und dabei vielleicht auch diesen Vers aus dem Jesajabuch.

Sie leben mit diesem Spruch, denken bisweilen daran, erinnern sich dann und wann daran oder werden auch einmal darauf gestoßen. Es wird Jahre geben, da scheint er ihnen fern zu sein, und dann plötzlich ist er ihnen ganz nah. Mein Leben verdankt sich nicht einem Zufall. Es gibt einen, der hat mich gewollt und der hat noch viel mit mir vor. Ich darf getrost nach vorne sehen, es gibt eine Zukunft, auch für mich. Ich muss es mir sagen lassen, ich muss mich daran erinnern, dass es mir zugesagt ist. Sie sehen die eigenen Kinder zur Welt kommen, sie wählen den Taufspruch aus, sie begleiten sie auf ihrem Weg. Ihre eigene Lebensgeschichte sehen sie noch einmal. Die Verheißung Gottes gilt auch für ihre eigenen Kinder. Es ist eine Zusage, die durch die Zeit geht.

Am Ende, da kann dieser Spruch stehen. Er gleicht einer Verheißung. Er spricht von Erlösung. Ich erfahre, wie schwer das sein kann, mich von allem zu lösen. Von den Menschen, die mir nahe sind; von der vertrauten Umgebung, in der ich geborgen war; von allem, was in meinem Leben von Bedeutung war. Erlösung bedeutet aber auch befreit werden, von Sorgen und Lasten frei werden, von Schmerzen und von Angst. Ich brauche keine Furcht zu haben, Gott wird mich halten. Diese Bindung, die er geknüpft hat in Taufe und Konfirmation, kann auch der Tod nicht zerstören. Gott kennt meinen Namen, so hat er mich ins Leben gerufen, so hat er mich durch die Zeit begleitet, so ruft er mich am Ende zu sich.

Am Ende, da werden wir uns daran noch einmal erinnern lassen. Erlösung ist geschehen, ist im Zeichen des Kreuzes geschehen. Zu wem Gott hier Ja gesagt hat, zu dem wird er ewiglich halten. Sein Versprechen gilt, sein Sohn hat es mit seinem Leben und Sterben besiegelt, wir dürfen darauf vertrauen. Diese Zusage gilt auch über den Tod hinaus.