8. Sonntag nach Trinitatis - 26. Juli 2026

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b.9)

Wenn da Dunkelheit ist, liegt der Abglanz des Mondes auf dem Schnee vor allen, die im Dunkel stehen. Und weil der Mond der Mond ist, und weil der Schnee der Schnee ist, wird das Licht des Himmels auf seiner Erde schimmern. Wer in diesem Lichte steht – und sei es nur für einen kurzen Moment des Umherwandelns – auf dem wird dieses Himmelslicht seinen Widerschein legen. 

Und weil das Himmelslicht das Himmelslicht ist, und der Mensch der Mensch, auf den es seinen Abglanz legt, muss es so sein und wird es so sein: Das Himmelslicht wird die Dunkelheit um uns herum und sogar in uns selbst vertreiben. Und deswegen sind wir Kinder des Lichtes, weil der Himmel es entschieden hat. Der Himmel soll auf uns zu sehen sein; seine Güte und Wahrheit und Gerechtigkeit muss an uns erkennbar sein, weil sein Licht auf uns fällt.

Manch einer behauptet, dass Gott zu viel verlange in diesem Abglanz. Dass er zu viel Güte, zu viel Wahrheit, zu viel Gerechtigkeit fordere; wie das überhaupt gehen sollte in so einer Welt? Und sowieso: Wie sollte es gehen so zerbrechlich und fehlerhaft und unbarmherzig, wie wir sind? Wer das einwirft, der sieht nicht hin: Denn das Gnadenlicht des Himmels lässt jeden noch so kleinen Eiskristall funkeln, obwohl er furchtbar klein und unbedeutend ist. Weil es sich selbst hingibt, für jeden kleinen und unbedeutenden Eiskristall, der vergehen wird.

Manch anderer behauptet, Gott verlange gar nichts von uns in diesem Abglanz: Dass wir schon Kinder seien und wir sowieso strahlen. Und überhaupt, Gottes Recht, das gelte ja gar nicht uns; und sowieso, unser Gott sei nicht herrisch, der will nichts befehlen, der will Freiheit. Wer das einwirft, der sieht nicht hin: Denn die Strahlen dieses Himmelslichtes heißen Güte und Wahrheit und Gerechtigkeit, und so muss in ihrem Widerschein, obgleich viel kleiner, schwächer, ärmer, spürbar sein, was es mit diesen Strahlen auf sich hat. Und das kann nur geschehen, wenn wir selbst strahlen in der Dunkelheit – und unser Licht auf die Welt darin fällt.