Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres - 08. November 2026

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

Frieden stiften, da wüsste ich gerne einmal nur, wie das geht. Wenn die großen Nachrichten unserer Zeit über mein Smartphone flackern, wenn ich sie eilig wegwische oder hängen bleibe – was oft dasselbe ganz anders bedeutet, wenn ich die Nachrichten lese und nicht an mich heran lasse – dann weiß ich oft genau, wie das geht: Die müssten doch nur! Die sollten einfach mal! Wenn Trump …, wenn Putin …, wenn Netanjahu …, wenn überhaupt alle einmal etwas mehr …

Aber insgeheim weiß ich ja, dass Trump nicht … und Putin nicht … und Netanjahu nicht … und alle nicht … und dass meine Ideen deswegen naiv oder utopisch sind oder beides. Und deswegen merke ich dann, dass ich eigentlich nicht weiß, wie das geht, Frieden stiften.

Frieden stiften, da wüsste ich gerne einmal nur, wie das geht. Ich scheitere ja schon oft genug im Kleinen daran. Nicht, dass ich immer streiten würde. Aber manchmal bin ich nicht in der Lage, Frieden zu bewahren oder zu stiften in meinem Leben. Ich bin dann gereizt statt gelassen, und da reicht schon ein Wort oder eine Handlung, um in mir und dann um mich herum Unfrieden zu stiften. Ich habe manchmal eine nicht erklärliche Lust an Auseinandersetzungen. Manchmal sind die Themen auch zu wichtig, wichtiger jedenfalls als ein letztlich fauler Frieden. Manchmal reden wir aneinander vorbei und merken es oder auch nicht, aber jedenfalls nehmen wir uns etwas übel oder auch nicht; aber jedenfalls scheitert das Gespräch, und woran das liegt, das ist manchmal so tief, dass keiner es versteht. Und deswegen merke ich dann, dass ich eigentlich nicht weiß, wie das geht, Frieden stiften.

Frieden stiften, da wüsste ich gerne einmal nur, wie das geht. Nicht jede gewünschte Versöhnung gelingt. Manchmal scheitert sie daran, dass ich nicht um Entschuldigung bitten kann oder mag. Manchmal scheitert sie daran, dass die andere Person mir nicht vergeben kann oder mag. Manchmal scheitert sie daran, dass ich nicht vergeben kann oder mag. Und deswegen merke ich dann, dass ich eigentlich nicht weiß, wie das geht, Frieden stiften.

Frieden stiften, da wüsste ich gerne mal, wie das eigentlich geht. Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Vielleicht wäre es ja auch andersherum mal eine Überlegung wert: Gott, wenn wir deine Kinder sind oder sein sollen, dann zeig uns, wie man Frieden stiftet. Denn ich wüsste wirklich gerne einmal, wie das geht.