Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)
„In Hülle und Fülle“ ist nicht „in Saus und Braus“.
Vielleicht eher „la dolce vita“. Ein süßes Leben.
Da zur Süße des Lebens auch das Schwere gehört. Es geschieht so viel gleichzeitig: Unendliches Glück und Freude und unaussprechliches Unglück und Kummer.
Liebe und Tod.
Gewinnen und verlieren.
Und dennoch: in Hülle und Fülle.
In der Sprache der Romantik des 19. Jahrhunderts ausgedrückt: hinreichend und ausreichend zugleich.
Es ist ausreichend, wenn es ausreicht. Reichtum ist, wenn es ausreicht.
Fernab von Überfluss und Überdruss.
Hinreichend ist es, wenn es genügt und ausreicht. Wenn ich nicht mehr brauche.
Wir leben von, mit und durch Gottes Gnade und Treue, denn „sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.“ (EG 452,1)
Jeden Morgen neu. Jede Woche von vorn und jedes Jahr von neuem.
Immer neu und immer wieder: Fülle von Gnade.
Gerade nun in der Zeit nach dem Dreikönigstag.
In der Zeit des Lichts und des Segens nach dem Epiphaniastag.
Menschen sehnen sich nach einem Leben in Hülle und Fülle.
Nach glücklich sein und zufrieden sein.
In den sozialen Medien sehen wir scheinbar perfektes Leben.
Voller Glanz, voller Freude und Abenteuer. Doch echte Fülle entsteht nicht durch Überfluss. Vielmehr entsteht durch Überfluss oftmals Überdruss.
Tiefe Freude bedeutet, dankbar zu sein, vertrauen zu dürfen und inneren Halt und Frieden zu spüren.
Gerade in schwierigen und herausfordernden Zeiten spüren wir, dass nicht materieller Reichtum zählt, sondern das, was uns wirklich trägt: Liebe, Freundschaft und Trost.
In einer Welt in Aufruhr schenkt Gott uns etwas Bleibendes – jeden Tag neu – seine Gnade.
„La Dolce vita“.