Sonntag Rogate - 10. Mai 2026

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66,20)

In der Umkleidekabine eines Fußballvereins rief einmal ein Spieler in der Halbzeitpause beim Spielstand von 0:3: „Jetzt hilft nur noch Beten!“ Die ganze Umkleidekabine lachte und blickte zum Dorfpfarrer, der im Tor dieser Mannschaft stand. Er hatte durch zwei unglückliche Fehlgriffe diesen Rückstand mit verursacht und schimpfte deshalb im Stillen mit sich selbst wie ein Rohrspatz. 

Nach diesem dahingeplapperten Satz eines Mitspielers und den teils amüsierten, teils wütenden Blicken der gesamten Mannschaft auf ihn erhob er sich allerdings und sprach laut und vernehmlich folgendes Gebet: „Herr, ich bitte dich nicht um den Sieg in diesem Spiel. Ich bitte dich aber darum, dass wir und die andere Mannschaft, wenn es sein darf, heute dankbar bleiben dürfen für diese schönen Minuten des Sports; dass wir dich loben dürfen, weil wir mitspielen können und es uns heute gut geht; dass wir uns freuen können, weil wir Familien haben, die uns diese Freiheit hier einräumen und uns sogar darin unterstützen; und, dass wir Menschen haben, die uns diesen Fußballplatz für heute hergerichtet und das Bier für nachher kaltgestellt haben. Nicht um den Sieg bitte ich dich, aber um die starke Erinnerung an das Großartige, was wir hier miteinander eigentlich machen dürfen. Amen.“

Die Mitspieler des Dorfpfarrer erhoben sich. Niemand kommentierte, keiner lachte. Einer nach dem anderen reichte ihm die Hand oder klopfte ihm auf die Schulter. So gingen sie zurück auf den Platz, verloren das Spiel, saßen danach noch lange mit ihren „Gegnern“ beim Bier und beim Erzählen aus dem Leben.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Manchmal hilft nur noch beten. Aber was sage ich dann? Welche Gedanken lasse ich zu Gott wandern? Das Sammeln meiner Gedanken im Gebet hilft mir, herauszufinden, um was es mir wirklich geht – Gott braucht sie nicht, meine Ordnung im Gedankenaufbau, meine wohldurchdachten Sätze; er kennt meine Gedanken von Ferne und freut sich, wenn er irgendwann durch alles Plappern mein Herz sprechen hört.

Kein Gebet des Herzens verhallt. Selbst die Sehnsucht nach dem Wunder landet immer in geöffneten Armen. Gott ist ein deutlich besserer Torhüter als sein Bodenpersonal. Gott greift nicht daneben, wenn ihm ein Gebet zufliegt. Das erbetene Wunder vor unseren Augen mag ausbleiben, aber Gott schenkt seine Güte ins hoffende, offene Herz. Und das ist viel. Sehr viel.