Sonntag Exaudi - 17. Mai 2026

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

In diesen Tagen um Himmelfahrt wandern die Blicke häufiger zum Himmel hinauf als sonst. Wird das Wetter halten für die Wanderung? Wird der Gottesdienst im Grünen unter dem gewaltigen Blau stattfinden können, bitte nicht zu kalt, bitte nicht zu warm, oder werden tiefhängende Wolken das Reden über den Himmel in feste Räume und unter ein bergendes Dach zwängen?

Die Blicke wandern zum Himmel. Längst nicht nur die Himmelfahrtsblicke. Es hatte schon immer etwas Tröstliches, am Abend aus dem Haus unter die Weite hinauszutreten oder das Fenster zu öffnen und den Kopf hinauszuhalten in ein Stück Himmel, auch mitten in der Stadt. Der Himmel, die Unendlichkeit über dir nimmt dich ein paar Momente heraus aus dem engen Takt deines Tages, stellt alles Gewesene und Gegenwärtige und Kommende in einen anderen Horizont hinein, strahlt seine zeitlose Ruhe in das unruhige Menschenherz hinab.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Der Auferstandene nimmt die Faszination für die unendliche Weite über uns auf und verbindet sie mit einer göttlichen Kraft. Kein zeitloses Schweigen ist da oben, keine Unendlichkeit des Raums, die die Gedanken ins Leere driften lässt. Der Himmel ist gefüllt mit Gottes Gegenwart. Und so kamen auch irgendwann die Bilder von einem gefüllten Himmel in die irdischen Köpfe, zum Beispiel, dass die Verstorbenen nun „im Himmel“ sind, bei Gott.

Der tröstliche Gedanke, die letzte Reise nicht einfach nur in ein Nichts über uns, sondern in gottgefüllte zeitlose Gegenwart anzutreten, je und je schon jetzt in den Himmel gezogen zu werden, verändert auch das Leben und Denken mit den Füßen, die noch auf der Erde stehen. Denn so beschreibt und beflügelt ein gefüllter Himmel ja auch die Lehre von den erhobenen Köpfen, die zum Himmel aufsehen und denen Kraft zuwächst.

Ob beim Himmelfahrtsgottesdienst, beim Wandern, ob beim Blick aus dem Fenster einer Stadtwohnung: Himmelfahrt hat immer mit erhobenen Köpfen zu tun, rechnet mit Himmelskraft, mit gefüllter Weite und verändert damit auch den Blick auf die Erde und das Leben hier, ermutigt mich zum Teilen der mir zuwachsenden Kraft mit denen, die gerade ihre Köpfe hängen lassen.

Bei Jesaja heißt es (Jesaja 40,31): die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.