7. Sonntag nach Trinitatis - 19. Juli 2026

Der Apostel Paulus folgert aus der Beziehung zu Jesus Christus:
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Epheser 2,19)

Ein Gast: begrüßt und aufgenommen aus Zugewandtheit.
Oder: Aufgenommen aus Höflichkeit und dabei Zurückhaltung, im Horizont die erleichternde Perspektive seines Verlassens.
Ein Fremdling: Eine Frage der Perspektive.

Fremd: Der eine, der nicht hierhergehört, weil der andere, „Eigentliche“, vor ihm am geteilten Ort ist. Aber waren sie das wirklich? Waren sie vielleicht Fremde, nach denen andere Fremde dazukamen? Auch fremd: Jemand an einem Ort, dem „die Eigentlichen“ ihre Heimat nicht hergeben wollen. Man ist nicht mehr dort, hier aber auch nicht, man schwebt im Äther über der Erde, wo man nicht wurzeln darf. Und wir müssen auf die Fremdlinge und die Eigentlichen schauen und sie beide fragen, was Heimat nicht ist?

Der Ort, an dem der Gast niemals wird sagen dürfen: Dies ist mein Haus, und nach mir wird es das meiner Kinder und Kindeskinder sein. Der Ort, an dem der Fremde wieder und wieder fragen muss, wann für „die Eigentlichen“ ihrer Heimat nicht mehr nur deren, sondern auch zu gleichen Teilen ihre sein wird. Der Ort, an dem die Fremden Schutzrechte gewähren, und sie darauf hoffen müssen, dass „die Eigentlichen“ den fremden Kindern ihr Schutzrecht nicht entziehen, weil sie ohne jedermanns Willkür preisgegeben wären. Kann das denn Heimat sein? Ist das wirklich ein Schutz für „die Eigentlichen“, oder ist es unerträglicher Schmerz, die anderen niemals Heimat finden zu lassen, sie entwurzelt weder hier noch dort zu halten? Wir aber müssen nach oben schauen und fragen, was Heimat ist, für diese und jene, die sie beide nicht beanspruchen dürfen, weil sie ihnen vom ganz Anderen geschenkt ist. Heimat ist der Ort, an dem die vielen Wohnungen in nur einem Haus sind. Ein Haus, das aufgeschlossen ist und bleibt von seinem einzigen Herrn. Der Ort, dessen Mauern aus Barmherzigkeit gebaut sind, dessen Wind uns sanft und kühl umweht wie feinste Seide an einem heißen Sommertag. In dessen Wehen Gottes Flüstern von Hingabe und Erlösung sich in die Ohren drängt. Der Ort, dessen Eck-stein verworfen und vom Herrn des Hauses nur umso erbitterter in den Grund gerammt wurde, damit er uns trägt. Heimat ist der Ort, an dem wir keine Herberge mehr brauchen – denn ihre Erde heißt Ewigkeit und ihre Sonne fällt gnadenwarm auf unser Gesicht. "Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne mein Heim ist nicht von dieser Zeit." (Gerhard Teerstegen, EG 481, 4)