Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. (1. Petrus 5,7)
Der 1. Petrusbrief redet vollmundig vom Vorbild Jesu für das eigene Leben und Leiden über die Bedeutung der Gemeinschaft in der Fremde bis hin zu den praktischen Fragen des Glaubens in unsicheren Zeiten.
Zweifel, Ängste, zermürbende Gedanken können sich zu einem übergroßen Sorgenberg anhäufen.
Endlose Schleifen, wie alles weitergehen wird, auch in unseren Kirchen, manchmal unaussprechliche Abgründe. Dann sind da die Menschen aus meinem persönlichen Umfeld, um die ich mich sorge. Und die Welt, die uns anvertraut ist mit ihrer Schönheit und ihrer Zerbrechlichkeit, mit ihren Spuren der Liebe und ihren kaltschnäuzigen Fratzen der Gewalt. „Alle Sorge“ auf Gott zu werfen – was für ein Gott könnte das aushalten? Am Ende ändert sich doch eh nichts.
Ich liege Gott in den Ohren und komme mir selbst peinlich vor. Anerkennend, dass Gott sich nicht um alles und jedes kümmern kann, stelle ich mir vor, wie Gott sich dennoch bewerfen lässt mit meinen Sorgen. Wo immer der Ballast auch landen mag – manchmal wird „es“ bei mir leichter. Im intimen Zwiegespräch der eigenen Seele mit Gott entlaste ich mich von der Letztverantwortung und bleibe doch „nüchtern und wachsam“ (V. 8) im Wissen darum, dass Beten und Handeln zusammengehören.
Menschen aus der Telefonseelsorge oder den Beratungsstellen, aus den Besuchsdiensten und den Beichtstühlen kennen das Phänomen der sogenannten „Entlastungsgespräche“. Depression braucht Expression (Edith Eger). Wie gut es tut, wenn meine Sorgen auf ein offenes Ohr treffen. Entlastung einerseits und Verantwortungsübernahme andererseits sind dann wie zwei Seiten einer Medaille: Was kann ich lassen? Und was genau ist meine Aufgabe? Das Sorgen-Werfen ist mehr als Psychohygiene. Es ist ein täglicher Akt des ernsthaften Gebets, eine Entscheidung, eine Priorisierung, ein entlastender Kraft-Akt. Gerade auch für alle, die in den Kirchen Verantwortung tragen. Es ist mehr als nur ein Versuch ist wert.