16. Sonntag nach Trinitatis - 20. September 2026

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. (2Timotheus 1,10b)

Österliche Klänge: das Leben und ein unvergängliches Wesen. Der Tod: entmachtet. Ein Lichtstrahl göttlicher Güte. Mich interessiert das „unvergängliche Wesen“. 

Nur bei Martin Luther findet sich diese Wendung. Das unvergängliche Wesen, von dem der Apostel hier so vollmundig redet, beinhaltet Licht und Klarheit. In mir klingt das Pfingstlied: „O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein“ (EG 136,1). 

So will ich singen und bitten: Im Geist des Jesus von Nazareth, des Messias, des Gekreuzigten und Auferweckten, mögen sich Licht und Klarheit ausbreiten – in mir und an allen Orten, wo Menschen sich auf diese Wahrheit hin ausrichten. Das „unvergängliche Wesen“, wie Martin Luther hier übersetzt hat, ist offensichtlich die Gegenkraft zur tödlichen Maschinerie aus Lügen, Gleichgültigkeit und offener Gewalt. Das „unvergängliche Wesen“ ist eine Sache des Glaubens, eine Wirklichkeit hinter den „Wahrheiten“ unserer Tage. Weil einer den Tod entmachtet hat, nicht zuerst für das Jenseits, sondern für jetzt und hier, kann ich mich – freilich nur immer wieder stotternd, wagend, zögernd – hier und jetzt schon dem Vergänglichen aussetzen. Den Tod ernst nehmen. 

Und ihn zugleich heilsam relativeren. In der kühnen Perspektive des Glaubens scheint ein unvergängliches Wesen auf wie ein geheimnisvolles Hologramm. Es durchdringt die todbringenden Mächte, Stimmen und Stimmungen. Singend und betend nähern wir uns dem Geheimnis: „Komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt“ (EG 136,2).