19. Sonntag nach Trinitatis - 11. Oktober 2026

Heile du mich Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. Jeremia 17,14

Eine Frau im Rollstuhl verlässt während der Predigt den Gottesdienst. Es geht um die Geschichte, als Jesus den Gelähmten heilt. Der steht auf, nimmt sein Bett und geht zurück in sein Leben. Die Frau bleibt im Rollstuhl sitzen. Sie hält es nicht aus, dass Jesus den Gelähmten heilt, den Blinden sehend macht, den Toten ins Leben zurückruft, und sie selbst bleibt krank zurück. 

Obwohl sie und viele Freunde und Angehörige für sie beten. Bestimmt auch mit ähnlichen Worten wie die des Wochenspruchs aus dem Buch Jeremia. 

Ihre Enttäuschung kann ich verstehen. Es ist schwer auszuhalten, krank zu sein und Heilungsgeschichten zu hören. Es ist schwer auszuhalten, einen kranken Menschen zu begleiten, für ihn zu beten und doch alles aus der eigenen in Gottes Hand zu geben. 

Der Wochenspruch hilft, sich zu konzentrieren. Mich auszurichten auf Gott. Dabei richtet sich die Bitte Jeremias aufs Ganzwerden, nicht aufs Gesundwerden. Im Grunde ist der Mensch von Gott so geschaffen, dass er beziehungsreich lebt: im Einklang mit Gott, mit der restlichen Schöpfung und mit sich selbst. Meistens ist eine Beziehung oder sind mehrere der Beziehungen wenigstens gestört. Das führt dazu, dass der Mensch in seinem Leben zerrissen ist. Die Bitte „Heile du mich, Herr“, weiß von der eigenen Zerrissenheit und hat die Erkenntnis als Grundlage, dass nur wer ganz ist, heil ist und im Frieden lebt. 
In die Bitte können alle einstimmen, weil das alle nötig haben.