Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)
Es scheint, als hätte er das Lied erst gestern geschrieben (Konstantin Wecker: Stürmische Zeiten, mein Schatz, 1994): „Unruhige Zeiten, wo doch alles so klar war, vierzig Jahre geregeltes Sein … und jetzt bricht dieses Weltgebäude so kläglich ein.“ Konstantin Wecker findet darin den passenden Ton.
Angesichts von rechtsradikalen Anschlägen auf Asylbewerberunterkünfte in den 1990er-Jahren kritisiert er den Sündenbockreflex der damaligen Gesellschaft: „Schuld sind wie immer die anderen.“ Ihr Fett weg bekommen auch all die Politiker, die nur auf den eigenen Vorteil und Machtzuwachs schielen.
Hintergrund unseres Wochenspruchs ist die Verfolgung von christlichen Gemeinden um 100 nach Christus. Ob die Situation damals oder die vielen Kriegsschauplätze heute, immer wieder gibt es Anführer oder Egomanen, denen der Tod und „die Hölle“ der Menschen reichlich egal ist.
Der Seher setzt aufgrund der Schöpfungskraft der Auferstehungsgewissheit dagegen: Auch in unruhigen Zeiten, wenn es um Leben und Tod geht, hat Jesus die Schlüsselgewalt, man könnte auch sagen, die Macht über Leben und Tod.
Konstantin Weckers Lied besteht aus neun Strophen mit je vier Versen, die durchgängig durch Kreuzreime verbunden sind. Auch der Wochenspruch erinnert an das Kreuz, das zu einem Schlüssel, zu einem neuen Verständnis von Tod und Hölle geführt hat. In dem Song und im Bibeltext wird die essenzialistische Liebe als treibende Kraft des Lebens gedeutet und als Halt, wenn uns das Leben ins Wanken bringt. Im Refrain wird dazu aufgefordert, Brücken über vergehende Ströme zu schlagen, denn die Vergänglichkeit gehört zum Leben.
Auch im Wochenspruch werden Tod und Hölle nicht ausgeblendet. Jesus ist der Schlüssel, der uns hoffnungsvolle Räume erschließt. Am Schluss ist nicht der Tod, sondern die Auferstehung an Ostern. Seine Auferstehung lässt nur einen Schluss zu: Steht auf gegen Unrecht und Leid. Und: Seid aufgeschlossen für Brücken der Liebe, die das einzig wirksame Mittel zur Menschlichkeit in unruhigen Zeiten ist. Für einen menschlichen Umgang im privaten Umfeld, aber auch als Halt oder Anhaltspunkt für alle Entscheidungen in Politik und Gesellschaft.
In Weckers Song geht es um „Brücken über Ströme, die vergehen.“ Das Bauen von Brücken kann nicht nur für das Aufbauen von menschlichen Verbindungen stehen, sondern zusätzlich aufzeigen, dass jeder Mensch in der Lage ist, etwas zu erreichen, zu erschaffen und damit Gutes zu tun. Denn die Humanität und letztlich die Liebe sind essenziell für den Erhalt der Menschheit und unabdingbar, um die genannten Umbrüche der Zeit nicht nur passiv hinzunehmen und isoliert zu überstehen, sondern aktiv als Teil einer Gemeinschaft mitzugestalten und sie vielleicht auch zu einer besseren Version zu bringen.