Sonntag Jubilate - 3. Sonntag nach Ostern - 26. April 2026

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

In einer Ecke des alten Schuppens hatte sich eine Raupe verpuppt. Lange Zeit haben wir sie gar nicht wahrgenommen. Zu sehen war nur ein festes weißes Gespinst. Wir haben dann alles in Ruhe gelassen und abgewartet. Eines Tages saß schließlich am kleinen Fenster ein herrlicher bunter Schmetterling. Das Gespinst war leer.

Diese Verwandlung ist immer wieder ein Wunder. Zuerst eine eher hässliche Raupe, die sich auf alles Fressbare stürzt, um dick und rund zu werden. Nur mühsam schiebt sie sich vorwärts. Dann plötzlich an ihrer Stelle ein eleganter Schmetterling in bunten Farben. Vorher noch an den Boden gefesselt, erhebt er sich nun in die Luft und flattert davon. Zwei Kreaturen, die doch eine sind, und doch würde wohl niemand vom Aussehen her auf eine Verwandtschaft schließen.

Wäre das nicht schön, wenn wir das auch könnten. Uns irgendwo hinlegen, mal richtig lange schlafen und dann als völlig neuer Mensch aufstehen. Und alles, was uns das Leben schwer macht, ist einfach weg. Die Sorgen sind weg, Schmerzen verschwunden, zerstörte Beziehungen geheilt, Fehler sind aufgehoben. Wo vorher Tränen waren, herrscht Lachen. Mit anderen Worten: der Himmel auf Erden.

Eine neue Kreatur sein. Anders als vorher. Besser. Freier. Losgelöst. Ach, wenn es doch so wäre.

Es ist so, sagt Paulus. Wenn jemand in Christus ist, ist er eine neue Kreatur. Wenn jemand in Christus ist, steht ihm der Himmel offen. Nicht erst später, nicht erst irgendwann, sondern schon heute und jetzt.

Manchmal ist das schwer zu glauben. Meist holt mich die Erde schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn ich ins Träumen gerate und meine Gedanken Himmelsflüge unternehmen.

Doch manchmal lässt der Himmel seine Lichtstrahlen schon in meinen Alltag leuchten. Zum Beispiel, wenn ein Gottesdienst und seine Botschaft und den Liedern mir zu Herzen geht. Wenn ich etwas Wunderbares erlebe. Wenn ich einmal so richtig glücklich bin und mir das Herz schier zerspringt vor Freude. Wenn ich die ganze Welt umarmen könnte.

Dann ist alles Schwere des Lebens für einen Augenblick vergessen und ich fühle mich frei wie ein Schmetterling. Dann ahne ich, wie anders es einmal bei Gott sein wird.