Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)
Als ob wir das heute nicht mehr sind. Als ob wir irgendetwas davon schon abgelegt hätten.
Als ob wir nicht mehr als das zu bezeichnen wären, wofür Paulus uns den angestaubten Begriff des Sünders aus dem Stammbuch des Menschseins herauszustreichen versucht hat.
Als ob wir uns gebessert hätten. Nein, Paulus, das ist noch da, wovon du uns freimachen wolltest. Wahrscheinlich darum, weil wir Menschen sind.
Seit ein paar Tagen bist du wieder unterwegs. Du hast Schritte hinter dir, und du suchst nach denen, die kommen. Der Weg ist gepflastert mit den Opfern der Kriege, und an seinem Rand liegen die Trümmer der Häuser. Darin haben sie gewohnt, die sich wie du als Menschen definieren. Ihre Schritte finden keinen Halt mehr, in dem Staub, in den ihr Leben gefallen ist. Sie wissen nicht, wie sie das Trauma des Tötens loswerden sollen, und sie fragen dich nach einem Stück Brot. Es ist Leidenszeit, und du bist wieder unterwegs. Als ob sich daran etwas geändert hat.
Gestern noch hattet ihr gehofft. Gestern noch hattet ihr die Chance gesehen, etwas von jener Anhaftung des Menschseins, die Paulus Sünde nennt, loszuwerden. Gestern noch fühlte sich ein Schritt so richtig an wie nur irgendwas. Frieden schaffen ohne Waffen. Es war wie eine Traumsequenz. Doch du bist längst wach. Und die anderen sind es auch. Inzwischen weißt du, dass sie euch bleiben wird, die Anhaftung des Menschseins.
Sie wird euch begleiten. Und ihr werdet weitergehen. Ihr werdet es müssen. Hinter dem Hügel erscheint ein Morgenrot. Jedes Mal ist das so. Jeden Tag ist das so. Unter dem Staub, aus dem das Menschsein gemacht ist, liegt noch ein Weg. Das Wort von der Liebe klingt zwischen euch nach. Trotz allem. Wie die Abgeltung für euer Menschsein. Gott erweist seine Liebe zu uns. Auch auf deinem Weg klingt das Wort von der Liebe. Dass ihr ein bisschen was davon reflektiert. Gerade heute. Resonanzmenschen der Liebe. Weil euch das erst zu Menschen macht. Und so, Mensch, erlebst du deinen nächsten Schritt. Hinter dem Staub liegt schon das Morgenrot.